Im Frühjahr 2009 bat uns das Stadtschulamt von den jeweiligen Leiterinen unserer Einrchtungen zu folgenden Punkten pädagogische Stellungnahme und Konzept schriftlich zu verfassen:
Eingewöhnung
Vor dem ersten Kindergartentag ist das Kind mindestens 1-2 mal stundenweise zum „Schnuppern“ mit Mama oder Papa in der Einrichtung gewesen. Es konnte somit bereits erste Eindrücke sammeln und vielleicht sogar bekannte Gesichter entdecken, was oft die Vorfreude auf den Kindergarten verstärkt. Eltern erhalten hier erste Infos darüber, was am ersten Kindergartentag mitgebracht werden soll z.B. ärztl. Attest, Hausschuhe, Bildermappe usw.
Die Phase der Eingewöhnung wird individuell an den Bedürfnissen des Kindes ausgerichtet und ist daher zeitlich nicht genau zu bestimmen. Sie beinhaltet die Zeit zusammen mit Mutter oder Vater in der Kita über die Phase der ersten kurzen Trennung (Eltern müssen auf Abruf erreichbar sein) bis hin zur allmählichen Ausdehnung auf die gewünschte Zeit, die das Kind selbstständig im Kindergarten bleiben wird. Erfahrungsgemäß variiert diese Zeitspanne zwischen einer Woche und mehreren Monaten. Um diese doch sehr einschneidende Phase der „Übergangsbewältigung“ von der vertrauten Familie in die Institution Kindergarten möglichst ohne übermäßigen Stress für das Kind zu gestalten (ganz ohne geht es in den wenigsten Fällen), sollten die Eltern auf jeden Fall genügend Zeit mitbringen d.h. am Anfang im Kindergarten dabei sein, später, etwa nach einer Woche dann auf Abruf bereit sein, um das Kind notfalls abzuholen, wenn es sich gar nicht beruhigen sollte.
Kinder, die bereits vor dem 3.Lebensjahr in einer Krabbelstube bzw. bei einer Tagesmutter waren, gewöhnen sich meist sehr schnell an die neuen Bezugspersonen, die vielen neuen Kinder und die ungewohnte Umgebung. Sie haben bereits die Erfahrung vom „Getrennt-Sein“ der Eltern gemacht und wissen, dass diese immer wieder kommen. Auch Geschwisterkinder gewöhnen sich sehr schnell ein, da ihnen vieles bereits vertraut ist. Dagegen benötigen Kinder, die bis zum 3. Lebensjahr vor allem zuhause bei Mutter oder Vater waren, oft sehr viel mehr Zeit und Geduld.
In dieser ersten Zeit im Kindergarten ist die körperliche Nähe zu Mutter oder Bezugsperson für viele Kinder sehr wichtig. Liebevolle Zuwendung, Kuscheln oder auf dem Schoß sitzen, geben dem Kind Sicherheit und Halt um die neue Umgebung in aller Ruhe beobachten zu können. Etwas Vertrautes von zuhause, sei es ein Kuscheltier oder Schnuffeltuch bieten dem Kind zusätzlich eine geborgene Atmosphäre.
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern und der jeweiligen Bezugsperson im Kindergarten ist zum Wohle des Kindes unerlässlich. Es sollte genügend Zeit da sein, für Gespräche, Fragen, Bedenken, um auch den Eltern ein gutes und vertrauensvolles Gefühl zu geben, denn Ihre Ruhe und Gelassenheit wirkt sich auch positiv auf das Kind aus. Beide, sowohl Kind als auch Eltern sollten sich angenommen fühlen in der neuen Umgebung des Kindergartens. Die Bedürfnisse der Eltern müssen weitestgehend berücksichtigt werden, solange es der Entwicklung des Kindes dient und den Regeln des Kindergartens nicht entgegensteht.
Von Beginn an, ist eine feste Bezugsperson jederzeit für das Kind da, wenn es z.B. getröstet werden möchte oder jemanden zur gemeinsamen Entdeckungsreise im Kindergarten braucht. Es ist diejenige hauptamtliche Erzieherin, in deren Gruppe das Kind zum Essen und Zähneputzen eingeteilt ist. Diese führt auch halbjährlich die Elterngespräche und dokumentiert mittels der sieben Beobachtungsbögen die Entwicklungsstränge und Begabungen des Kindes.
Durch die Bindungsforschung wissen wir, wie wichtig eine sichere Bindung des Kindes an mindestens eine Bezugsperson ist und sich entscheidend auf die Lernmotivation sowie auf die soziale und emotionale Kompetenzentwicklung auswirkt. Der Erzieher sollte sich dem Kind gegenüber emphatisch und sensibel verhalten und die Individualität des Kindes respektieren.
Da Kinder jedoch erfahrungsgemäß ihre Sympathie selbst verteilen, kommt es auch vor, dass sie sich eine andere Vertrauensperson im Team für diese erste Zeit aussuchen, was auch von allen akzeptiert und mitgetragen wird. Das Team ist aber grundsätzlich darum bemüht, dass alle Kinder möglichst zu allen Erziehern ein vertrauensvolles Verhältnis entwickeln, so dass es z.B. bei Urlaub oder Krankheit des Erziehers keine unnötige Stresssituation für das Kind gibt. Nach den ersten Wochen der Eingewöhnung sollte kein Kind mehr zu sehr auf eine Person fixiert sein, jeder Erzieher aber in der Lage sein, jedes Kind notfalls zu beruhigen.
In den ersten Wochen der Eingewöhnung tritt das Kursprogramm in den Hintergrund um das Kind nicht zu überfordern. Es kann, muss aber nicht daran teilnehmen.
Die Eingewöhnung eines Kindes ist für uns dann abgeschlossen, wenn das Kind wirklich hier angekommen ist und sich fast „wie zuhause“ fühlt, sich manchmal sogar ärgert, wenn es zu früh abgeholt wird, wo es doch noch mit seinen Freunden spielen möchte.
Pflegesituation
Hierzu zählen die Bereiche Gesundheit und Gesundheitsförderung hinsichtlich des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens, Körperpflege und Hygiene aber auch Bewusstseinsbildung und Entwicklung eines eigenen Körpergefühls (Geschlechtsidentität).
Eine gesunde Ernährung trägt im wesentlichen zur Gesundheitsförderung bei und hat daher in der Einrichtung einen hohen Stellenwert. Morgens wird den Kindern ein abwechslungsreiches Frühstücksbüfett geboten mit zwei verschiedenen Sorten Brot, Butter, Obst, Rohkost, Käse, Wurst, Joghurt oder Quark, Müsli sowie einmal pro Woche Marmelade bzw. Nussnougatcreme. Milch, Saft, Tee und Wasser stehen ebenfalls bereit, letzteres den ganzen Tag lang. Eigenverantwortlich bedienen sich die Kinder am Büfett und suchen sich dann einen Platz am Tisch. Wir frühstücken alle gemeinsam, d.h. in der Zeit zwischen 9.20 und 10.00 findet nichts anderes statt. Es entwickeln sich oft nette Tischgespräche oder finden Fragespiele über verschiedene Obstsorten, gesunde Lebensmittel usw. statt. Vielen Kindern fällt es zunächst schwer, den eigenen Hunger einzuschätzen bzw. Hungergefühl von „Lust auf Essen“ zu unterscheiden. Die Erzieher begleiten die Frühstückssituation und sind bemüht, den Kindern ein gewisses Maß an Esskultur zu vermitteln. An Geburtstagen gibt es natürlich auch Kuchen und Süßigkeiten, die von den jeweiligen Eltern mitgebracht werden.
Um 12.00 wird das Mittagessen vom Catering-Service „Hits für Kids“ gebracht. Der Koch legt großen Wert auf ausgewogene, Kind-gerechte Kost, das Hauptmenu besteht z.B. aus Nudeln und Hackfleischsoße, Rahmspinat mit Ei und Kartoffel, Linsen-Eintopf mit Wurst dazu abwechselnd Salat oder Rohkost, zum Nachtisch an drei Tagen versch. Obstsorten, 2x Pudding, Joghurt oder Quark. Wir essen in drei Gruppen, um eine gewisse Unruhe während des Essens zu vermeiden. Die Kinder helfen abwechselnd mit, die Tische zu decken. Das Essgeschirr besteht ausschließlich aus Porzellan und Glas, der Umgang mit Messer und Gabel sowie das Benutzen der Serviette sollte für die Kinder nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung selbstverständlich sein. Es wird Wert darauf gelegt, dass die verschiedenen Sinnesorgane wie Schmecken, Riechen Fühlen angeregt und entwickelt werden. Jeder probiert das Essen, wenn es auch nur wenig ist und nimmt sich selbst seine Portion, d.h. es soll die Anzeichen von Sättigung erkennen und entsprechend reagieren. Auch fremde Esskulturen werden als Projekte durchgeführt (afrikanische Woche, schwedischer Backnachmittag). Die Kinder sollen ein Grundverständnis für verschiedene Arten von Lebensmittel, und ihre Herkunft erlangen aber auch über die Qualität, was gesund ist und was nicht. Die Frage, wo z.B. die Milch herkommt, kann am besten durch einen Besuch auf dem Bauernhof geklärt werden, wo die Kinder erleben, wie eine Kuh gemolken wird.
Am Nachmittag gibt es einen Snack für die Kinder, bestehend aus Brot, Butter, Wurst, Käse sowie Obst und Rohkost, manchmal auch selbstgebackenen Kuchen oder Kekse sowie verschiedene Getränke.
Das gründliche Händewaschen mit Seife vor und nach jedem Essen (mit anschließendem Abtrocknen mit Papiertüchern) sowie nach Bastel- oder Malaktionen, Hasenfütterung usw. gehören im Kindergarten zur täglichen Routine und wird von den Erziehern regelmäßig begleitet, besprochen und auch kontrolliert. Den Kindern wird somit Grundwissen über Hygiene und Körperpflege und ihre Bedeutung zur Vermeidung von Krankheiten vermittelt. Nach dem Mittagessen und der „Traumstunde“, die die Kinder als Ruhephase nutzen, sich ein Buch anschauen, schlafen oder nur der Meditationsmusik lauschen, werden die Zähne geputzt. Den Erziehern kommt hierbei die Aufgabe zu, die Techniken der richtigen Zahn- und Mundpflege zu vermitteln und dies durch das tägliche Ausführen zu ritualisieren. Ein Patenschafts-Zahnarzt rundet das Thema Zahnpflege durch regelmäßige gegenseitige Besuche in Kindergarten oder der Praxis ab, indem er z.B. anhand eines großen Stofftieres mit Gebiss, die Technik des Zähneputzens erklärt. Die Erzieher besuchen regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen zu verschiedenen Themen rund um den Zahn.(Arbeitskreis Jugendzahnpflege/Frankfurt am Main)
Einmal in der Woche gehen wir bei jeder Wetterlage in den Stadtwald. Den Kindern wird hiermit die Gelegenheit geboten, mit allen Sinnen die Natur zu erleben, die verschiedenen Pflanzen und Tiere kennenzulernen und die Jahreszeiten bewusst wahrzunehmen. Das gemeinsame Toben macht Spaß kommt dem Bewegungsdrang der Kinder entgegen und schult gleichzeitig die Motorik , die z.B. auch beim Balancieren über einen Baumstamm oder beim bauen einer Baumhütte weiterentwickelt wird. Widerstandsfähigkeit und Sozialverhalten werden gleichzeitig gefördert. Die „Kleinen“ werden auch hier, wie in vielen anderen Situationen von den Großen unterstützt bzw. sehen diese als Vorbilder an. Sind die Kinder in eine Spielsituation vertieft, sollten die Erzieher möglichst zurückhaltend reagieren und als Beobachter fungieren, damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich frei zu fühlen bzw. zu entfalten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und die eigenen Stärken und Schwächen erkennen zu lernen.
Ein ganz wichtiger Aspekt der Pflegesituation ist die Sauberkeitserziehung bzw. das „Sauber werden“ der Kinder und damit verbunden die Hinführung zur Toilette. Die meisten Kinder sind bereits sauber, wenn sie in den Kindergarten kommen, manche benötigen noch Windeln. Der Ablauf dieser Sauberkeitserziehung sollte immer in Absprache mit den Eltern geschehen und dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes angemessen sein. Das Windelwechseln findet im Gruppenraum statt, wobei das Windelkind entscheidet, ob ein anderes Kind dabei zuschauen darf oder nicht. Die Intimsphäre des Kindes muss vom Erzieher unbedingt beachtet werden. Beim Wickeln sollten die Genitalien benannt werden, in etwa der Form: „So, jetzt machen wir den Penis von (Name) sauber“, um einer Tabuisierung von Geschlechtsteilen bzw. Sexualität entgegenzuwirken. Auch der Gang auf die Toilette sollte von den Erziehern zunächst begleitet und verbal unterstützt werden.
Für den Umgang mit kindlicher Sexualität sowie deren Thematisierung liegen uns die Ratgeber „Körper, Liebe, Doktorspiele“ der BZgA zugrunde, auf deren Basis unsere Arbeit beruht. Diese Lernerfahrungen sollen den Kindern helfen, ein eigenes Körpergefühl bzw. eine Beziehungs- und Liebesfähigkeit zu entwickeln. In regelmäßigen Abständen bieten wir Projektarbeiten zum Thema Schwangerschaft und Geburt an, die von einer Hebamme begleitet werden. In diesem Zusammenhang wurde z.B. mit den Kindern ein Uterus aus Pappe nachgebildet, in den sie hineinschlüpfen konnten und sich in etwa in die Enge des Mutterleibes hineinversetzen konnten.
Verfasserin: Elke Hoffmann

